Wie entstehen solche Fotos?

 

Nun, wohl ein jeder (Hobby-)Fotograf versucht irgendwann einmal, einen Wassertropfen zu fotografieren. Meine ersten Versuche fanden im Waschbecken statt - dort habe ich die aus dem Wasserhahn fallenden Tropfen zu fotografieren versucht. Nach recht kläglichen Ergebnissen habe ich es dann mit einem Infusionsbesteck probiert, und die Ergebnisse wurden schon etwas besser. Dann folgte eine Lichtschranke, danach meine erste Steuereinheit, der StopShot. Mittlerweile arbeite ich mit der m.E. besten Steuereinheit für die Highspeedfotografie, dem GlimpseCatcher sowie einem (mehr oder weniger) ausgeklügeltem und teilweise selbst gebautem Equipment, welches hier etwas detaillierter dargestellt ist:

 


Die sogenannten TaT’s (Tropfen auf Tropfen) bilden sich, wenn die von einem ins Wasser gefallenen Tropfen entstandene Wassersäule von einem (oder zwei) weiteren Tropfen getroffen wird. dabei entstehen im Bereich von Millisekunden einzigartige und faszinierende Formen, die das bloße Auge sonst gar nicht wahrnehmen kann. Die Abfolge dieser Entstehung habe ich hier einmal in Einzelaufnahmen dargestellt:


 

Technik, Aufbau und Kameraeinstellungen im Einzelnen:

 

Becken:                 

Um gerade bei den Aufnahmen mit Spiegelungen den hinteren Rand des Beckens nicht mit ins Bild zu bekommen, benötigt man ein möglichst langes Becken. Ich habe mir ein solches selbst gebaut - 38 cm breit, 85 cm lang, 4 cm hoch (die Wassertiefe braucht für solche Aufnahmen nur etwa 2 cm zu betragen). Die Fallhöhe des/der Tropfen beträgt übrigens (je nach Art des Fotos) etwa 50 cm. Für die Splash-Aufnahmen benutze ich natürlich kein Becken, sondern (meistens) eine schwarze Plexiglasscheibe.

 

Fokussierung:        

Als Fokussierhilfe stelle ich eine Schraube genau an der Stelle ins Wasser, wo der Tropfen auftrifft. Dann wird manuell auf die Schraube fokussiert- fertig! Hinweis: Bei Objektiven mit Bildstabilisator diesen abschalten!

 

Kameraeinstellungen:

Belichtung 2 Sekunden (bitte keine Irritationen - es wird im abgedunkelten Raum fotografiert und die effektive Belichtungsdauer wird über den Blitz geregelt!), Blende 16, ISO etwa 200 (hier ein wenig ausprobieren…)

 

Blitzeinstellungen:

Um Bewegungsunschärfen zu vermeiden, darf der Blitz nicht in voller Leistung abgebrannt werden! Ich regle meine Blitze auf 1/32 oder auch auf 1/64 runter.

 

Beleuchtung:

Damit entscheidet sich letztendlich die gesamte Qualität des Fotos! Ich blitze gleichzeitig mit einen Blitz von hinten durch eine diffuse Acrylglasscheibe (Farbeffekte erreiche ich durch entsprechend farbige Folien vor dem Blitz) sowie mit einem zweiten Blitz von schräg vorne oben mit selbstgebautem Snoot-Aufsatz. Auch hier können durch farbige Folien entsprechende Akzente gesetzt werden. 

 

Synchronisation von Tropf-Frequenz und Blitz(en):

Ich verwende hierfür den GlimpseCatcher  - dieser ermöglicht eine Justierung der Tropfengröße und -folge in Bruchteilen von Millisekunden durch die Steuerung der entsprechenden Magnetventile sowie die Ansteuerung der Blitze und Kameras.

 

Aufnahme:

Wenn alles eingerichtet ist (hierfür, insbesonders für die Einstellung der erwünschten Beleuchtung, vergeht schon die meiste Zeit!), wird der Raum abgedunkelt. Dann werden über den GlimpseCatcher Kamera, Magnetventile und Blitze angesteuert und ausgelöst.

 

Fazit:

Hört sich alles ganz einfach an - ist es im Grunde genommen auch. Man benötigt allerdings eine Menge Geduld, eine gewisse Frustrationstoleranz, und Übung, Übung, Übung! Kleinste Veränderungen der Parameter (z.B. Winkel des Hintergrundblitzes zur Wasseroberfläche) führen zu völlig neuen Ergebnissen. Reines Leitungswasser, mit Guakernmehl angedicktes Wasser oder auch mit Acrylfarbe gefärbte Sahne - der Fantasie (und der Sauerei, welche dadurch entsteht ;-) ) sind keine Grenzen gesetzt. 1 Tropfen, zwei oder gar drei Tropfen (sprich ein, zwei oder drei Magnetventile) - mit allen Varianten lassen sich tolle Ergebnisse erzielen!

 


Equipment:

 

Kamera: Canon 7D

Objektiv: Canon EF 100 2.8 L IS USM

Blitz: 3 x Canon Speedlite 430 EX II

Sonstiges: GlimpseCatcher Steuereinheit für Highspeedfotografie

Software: Adobe Photoshop CS5, Neat Image

 

Alle Tropfenfotos sind Originalaufnahmen -  keines der Fotos ist in irgendeiner Form manipuliert!

Die Bearbeitung mittels Software erfolgte nur hinsichtlich Tonwertkorrektur, Helligkeit, Kontrast,

entrauschen und teilweisem wegstempeln von Flecken und Flusen.